Frank Ruda: Hegels Pöbel: Eine Untersuchung der »Grundlinien der Philosophie des Rechts«

Ohne Stand-Hegels Kegel

…darunter, daß der Mensch etwas sein müsse,
verstehen wir, dass er einem bestimmten Stande angehöre,
denn dies etwas will sagen, daß er alsdann etwas Substantielles ist. (Hegel)

…der Mensch steht nur, insofern er stehen will;
wir fallen zusammen,sowie wir nicht mehr stehen wollen; das Stehen ist daher die Gewohnheit
des Willens zum Stehen. (Hegel)

Alles Ständische und Stehende verdampf. (Marx/Engels)

PopulusPollen. Über a(s)soziologische Egavulgarität

„daß der, der glaubt nötig zu haben, vom sogenannten Pöbel sich zu entfernen, um den Respekt zu erhalten, eben so tadelhaft ist, als ein Feiger, der sich für seinem Feinde fürchtet, weil er zu unterliegen fürchtet.“ (Goethe, Werther)

Populär, populistisch, popelig, pöbelhaft. In aller äquivoken Überdeutlichkeit des Deutschen scheinen dem, direkt oder umwegig, übers Französische immigrierten populus tendenziell pejorative, um nicht zu sagen privativ-depravative Züge, assoziativ, im Gefolge, mit beigegeben. Es offenbart, folglich, das „gemeine Volk“ polemisch seine Gemeinheit, exponiert sie und macht sie publik, so wäre in diesen Worten zu gewahren, als virtuell schon von Verderbtheit, Verkommenheit gezeichnete meanness und baseness — bereits im Begriff, d.h. auf dem Sprung, vom Ver- eines fortschreitenden Ruins ausgehöhlt und vervolkt zu werden, der im bösen basso continuo des Basal-Banalen und Vagant-Vulgären, Mangel an allem, was etwas bedeutet und darstellt — und damit Fülle allein von leerer Nichtigkeit –, kulminiert. Dieses desaströse Undoing, freier Fall in Richtung aufs absolut Klägliche dort unten, wo kein Fundament den tragenden Sockel stellt, somit das Bestehende als grundlos Schwebendes erweist, was so lange in todestriebhafter Repetitionsautomatik weiterläuft, wie der, erst, wenn er den fehlenden Boden unter sich gewahrt, stürzende, Comic-Held; das Klägliche also als Absolutes, gesellt sich dem Phantasma einer stattlich in sich zur vollen Fülle gerundeten, sui-suffizienten Vielheit, invers und negativ, wie ein fratzenhaft-ka­ri­ka­tu­reskes double bei. Ist so Sozius des Ideal-Sozialen als metaphysischem Grund-Paradigma. Und Un(de)terminiert es.
Eine Gemeinheit, die, im Ganzen, nichts Gemeinsames, Allgemeines sein darf, sondern dem Begriff dessen, was alle — als Substanz — teilen sollen, gerade exkludiert werden muss, handelt mengentheoretische wie topologische Intrikationen ein, die mit herkömlichen, der Eins verschworenen mathematischen Bemeisterungstechniken kaum zu bezwingen sind. Denn dem Zusammenhalt des Gemeinsamen kann das Gemeine als das sich nicht zusammenreissende, sich gehen lassende Niedrige nicht eigen sein, nicht angehören, ja im strengen Sinne nicht einmal Teil sein: gehört es dazu, dann mithin nur als ungehörig Unzugehöriges. Partizipation ohne Mitgliedschaft.

C’est précisément un principe de contamination, une loi d’impureté, une économie du parasite. Dans le code de la théorie des ensembles, si je m’y transportais au moins par figure, je parlerais d’une sorte de participation sans appartenance. Le trait qui marque l’appartenance s’y divise immanquablement, la bordure de l’ensemble vient à former par invagination une poche interne plus grande que le tout, les conséquences de cette division et de ce débordement restant aussi singulières qu’inimitables. (Derrida, Parages, La loi du genre)

Es ist indessen womöglich nichts anderes als das als solches von sich nicht anerkennbare Selbe selbst, das gleichwohl als abstraktes Anderes unverdaut im eigenen Gedärm, sein verwesendes Unwesen treibend, rumort.

*

Fragt Hegel, der, im Zuge onto-enzyklopädischer Alleinverleibung (oder doch: -lösung? Zumindest -verstoffwechslung. Hegel isst essentiell.) alles andere als ein Kostverächter, den verfemten Teil immerhin (rechts)philosophisch zu beachten nicht verschmäht, nach dem Pöbel, denkt er etwas an, um, prozessierend (ver)arbeitend, sich einen Begriff zu machen,

Wahre Gedanken und wissenschaftliche Einsicht ist nur in der Arbeit des Begriffes zu gewinnen. Er allein kann die Allgemeinheit des Wissens hervorbringen, welche weder die gemeine Unbestimmtheit und Dürftigkeit des gemeinen Menschenverstands, sondern gebildete und vollständige Erkenntnis, – noch die ungemeine Allgemeinheit der durch Trägheit und Eigendünkel von Genie sich verderbenden Anlage der Vernunft, sondern die zu ihrer einheimischen Form gediehene Wahrheit, welche fähig ist, das Eigentum aller selbstbewußten Vernunft zu sein. (PhdG)

was ihm, als diese generalisierte Unart, nach seiner eigenen Art denkerisch ohne Ekel zu verdauen unmöglich ist. Diesda nährt nicht, zehrt vielmehr aus. Inherent vice. Versucht er die von dem, was Pöbel genannt wird, ausgehende Polution des Politischen zu umzirken, markiert er im Ganzen, als diesen zerfahrenen, nur vage eingrenzbaren Un- und Abort, diese ekzematöse Atopie, eine Stelle und Position, die keine ist und sein dürfte, die keinen Stand hat und im strengen Sinne, ginge alles mit dialektisch rechten Dingen zu, nicht hätte zustande kommen können. Andererseits jedoch, das ist die Unwucht, der hyperdiabolische, elliptisch hyperbelnd-parabelnde Zug einer sich als Kreis aus Kreisen und/oder Spirale symbolisierenwollenden Dialektik von Dialektik und Nicht-Dialektik, Hegels kreiselnder Rotationskegel im Schnitt — in der Schweiz ist ein Hegel ein Messer —

HEGEL, m.

1) stier, zuchtstier, vergl. unter hagen taurus sp. 151. schweiz. hegi zuchtstier TOBLER 260b.

2) narr, querkopf, schweiz. hegel, baurenhegel grobian STALDER 2, 30; im Aargau wird der eigenname Heinrich in den spottnamen Heichel, Zürih-Hegel ‚querkopf‘ umgesetzt. ROCHHOLZ bei FROMM. 6, 458b; es rührt das mundartliche verbum hegeln, ´hernehmen, mit worten oder schlägen, auf eine niedrige art foppen‘ (STALDER a. a. o.), bair. hegeln zum besten haben, aufziehen, necken (SCHM. 2, 164), schwäb. hegen plagen (SCHMID 268) an; als die den hegel gefoppet (officiere einen neuen ehemann), er würde mir (der frau) die hosen lassen müssen. Simpl. 3, 40 Kurz.

3) vielleicht hieran anschlieszend wurden in Nürnberg die öffentlichen spruchsprecher, gelegenheitsdichter der niedrigsten art hegel, hegelein genannt (neben hängelein sp. 439): noch auch ungepeten nyemant zu essen geben sollen, dann pfeifern, hegeln und pusawnern, die inn auf dieselben zeit zu dem tanz hofieren und dienen. Nürnb. polizeiordn. 90; dem hegelein, der zum tanz ledt. s. 79; dem hegelin. s. 91.

4) hegel, schweiz. auch eine schlechte art zulegemesser, mit hölzernem griff. STALDER 2, 30. TOBLER 260b.

der, im niemals fugenlos dichten Schließen, auf ein seltsam undialektisierbares Nicht hin öffnet, gilt nicht minder das Konträre.

Dialektik ist damit notwendig auf etwas Nicht-Dialektisches bezogen. Die ganze Frage ist, ob man das Verhältnis von Dialektik und Nicht-Dialektik dialektisch oder nicht-dialektisch denkt. (184)

Vice versa nämlich treiben besagte rechte Dinge die Kontingenz eines gewissen Unrechts des falsch-generalisierten Un — das nicht mit dem Unrechten innerhalb des Rechts zusammenfällt, sondern von diesem als ein ihm äußeres anderes Recht gleichsam nicht zu greifen ist — in ihnen selbst notwendig stets immer auch im Exzess hervor. So wie solche „Subjekte“, die auf dieses „Recht ohne Recht“ einen Anspruch erheben und sich damit — Hybris des Zu-wenig-Wollens — überheben, notwendig produziert werden. Unvermittelt und unter Absehung von Reziprozitäts- und Symmetrieforderungen, die dem Ganzen, auch dort, wo es nicht mehr im engeren Sinne mit wirtschaftlichen Sorgen betraut ist, das Gepräge einer geregelten Ökonomie ausgeglichenen Gebens und Nehmens verleihen müsste, beharrt ein Teil, der keiner ist, auf Ansprüchen, ohne Verpflichtungen nachzukommen. Wodurch sich, im Ganzen, zwei einander nicht duldende Exzesse einander vis-à-vis konfrontiert sehen.

Es kommt hierin zum Vorschein, daß bei dem Übermaße des Reichtums die bürgerliche Gesellschaft nicht reich genug ist, d.h. an dem ihr eigentümlichen Vermögen nicht genug besitzt, dem Übermaße der Armut und der Erzeugung des Pöbels zu steuern.

Was den Pöbel ausmacht, ist eigentlich die Gesinnung, das Gefühl der Rechtlosigkeit, und die Erzeugung des Pöbels setzt voraus einen Zustand in der bürgerlichen Gesellschaft, in dem jeder Rechte hat; in der bürgerlichen Gesellschaft hat jeder den Anspruch, durch seine Arbeit zu existieren; erlangt er nun durch seine Tätigkeit dies Recht nicht, so befindet er sich in einem Zustand der Rechtlosigkeit, er kommt nicht zu seinem Recht, und dies Gefühl ist es, das diese innere Empörung hervorbringt. (PR 1921/222: 222)

*

Die These könnte folglich, gänzlich unvölkisch in die zombihafte Zone unendlichen Urteils 1 von Kant verschlagend, sofern es, wie man erfährt, um ein untotes Unorgan ohne Körper, um einen Verfall, sich dreht

Vielleicht ist πόλις der Ort und der Bereich, um den sich alles Frag-würdige und Unheimliche in einem ausgezeichneten Sinne dreht. Die πόλις ist πόλος, d. h. der Pol, der Wirbel, in dem und um den sich alles dreht. (Martin Heidegger, Hölderlins Hymne „Der Ister“ (Freiburger Vorlesung Sommersemester 1942), GA Bd. 53, hrsg. v. Walter Biemel, Frankfurt/M. 1984, S. 100.)

Die Bewegungsart des Absturzes in die und in der Bodenlosig-keit des uneigentlichen Seins im Man reißt das Verstehen ständig los vom Entwerfen eigentlicher Möglichkeiten und reißt es hinein in die beruhigte Vermeintlichkeit, alles zu besitzen bzw. zu er-reichen. Dieses ständige Losreißen von der Eigentlichkeit und doch immer Vortäuschen derselben, in eins mit dem Hineinreißen in das Man charakterisiert die Bewegtheit des Verfallens als Wirbel. (SuZ, S.178)

noch einmal anders erinnert, wiederholt, durchgearbeitet lauten, am phantomartigen Un-Phänomen des Pöbels, jenem gesinnungs-, ehr-, scham-, ort-, bindungs- wie in schlechthin jedem die Kastrationsangst befeuernden „sans“-Sinne: -losen und also entbundenen, abgetrennten, von jeglicher durch zielgerichtete Tätigkeit erwirkten Bestimmung absolut gelösten An- oder Unteil, part sans-part, Exzess und Exkret teilte sich eine irreduzible Unaufhebbarkeit mit. Und eine Verdrängung — die der konstitutiven Gemeinheit des Gemeinsamen als gigantischem Unrechtszusammenhang — bräche, wie eine, keine Vernähung erduldende, klaffende Wunde, auf. An jener wilden Menge, Armut, die zum Pöbel sich macht, schon von Kant, der Etymologie trotzend (aber dabei das Volk gleichsam zum Vulg vulgarisierend),

Eine Verbindung des Wortes Volk zum lateinischen vulgus für „Menschenmenge“ gilt als unwahrscheinlich, da der deutsche Anlaut f- (auch wenn als v- geschrieben) auf ein indogermanisches p- zurückzuführen ist; eine Wurzelverwandtschaft mit dem lateinischen Wort plēbs für „Volksmenge“ (zu lateinisch plēre „füllen“) ist dagegen lauthistorisch plausibel. (wikipedia)

als vulgus vom populus unter- und von diesem — unter der Vorgabe, dieser exkludierte sich, in seltsamer Autonomie der Unautonomie bis hin zum Wegfall aller Bindungen, selbst — ausgeschieden,

Unter dem Wort Volk (populus) versteht man die in einem Landstrich vereinigte Menge Menschen, in so fern sie ein Ganzes ausmacht. Diejenige Menge oder auch der Teil derselben, welcher sich durch gemeinschaftliche Abstammung für vereinigt zu einem bürgerlichen Ganzen erkennt, heißt Nation (gens); der Teil der sich von diesen Gesetzen ausnimmt (die wilde Menge in diesem Volk), heißt Pöbel (vulgus), dessen gesetzwidrige Vereinigung das Rottieren (agere per turba) ist; ein Verhalten, welches ihn von der Qualität des Staatsbürgers ausschließt. (Immanuel Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht abgefasst)

sei Hegels Theorie-Teleo-Technologie, sein hegend-verhäkelnder Hebel, vulgo die idealistische Dialektik und ihr enzyklopädischer Hubraum und Gehege, wie am unprozessierbaren Rest überhaupt (Derridas Glas, Hamachers Pleroma spüren dem nach), wenn nicht zerbrochen und aufgesprengt,

Man kann sagen, dass an dieser Stelle etwas aufscheint, was die Struktur der Hegel’schen Dialektik, oder anders: die »strukturale Dialektik« Hegels an ihre Grenze treibt. (141)

so immerhin, als Apparat und dem Anschein nach rundlaufende zweitaktmotorische Maschinerie, auf nachhaltige Weise ins Stottern geraten. Habe, mit anderen Worten, kategorial nicht gegriffen, sich an dieser un(be)greifbaren, absoluten Exklusion gleichsam, aufs Ganze gesehen: entstellend, entsetzt. (Dass der Sand im Getriebe, die konstitutive Dysfunktionalität, Grundbedingung ist für das Rundlaufen dieses Triebwerkes der Unwuchten, ist die Crux, um die sich alles dreht.)

als erschräke die Dialektik vor sich selber. (Adorno, Drei Studien zu Hegel)

Und durchscheinen lassen, dass mit dem Gewaltstreich — wie der die Rechtsphilosophie für ein reaktionäres Unternehmen erachtende Adorno sagen wird — der die Dialektizität sistierenden, hypostasierten Staatsform –die Marxistische Tradition, etwa bei Althusser (denn dem „Kapital“ selbst fehlt die einschlägige Staatstheorie), wird ihn als juridisches Herrschaftskonstrukt betrachten und einen „Apparat“, eine Maschinerie nennen — der sittlichen Gleichheit mit integrativem, allinklusiven

„Hegel — noch einmal — will schließen“ (Werner Hamacher)

Anspruch die hyperdialektische Negativität jener stasis nicht zu bannen, bilden, binden ist, die das unorganisierbare, unregierbare Gewimmel meint, als welches das Volk als Ganzes — als das Ganze einer nicht mehr in ein solches Ganzes versammelbaren, verfassbaren Formlosigkeit: das konstitutiv destitutive Unganze, insistente, resistente Inkonsistenz — sich herausstellen könnte. Mit dem Pöbel lässt sich kein Staat machen.

Der Staat verhindert die Emergenz der reinen Vielheit. (218)

Pöbel‹ ist der Hegel’sche Name für die Emergenz einer Unbestimmtheit, die den Staat zersetzt. (239)

Wenngleich Hegel sich nicht als Hobbesianer verstehen lässt und den qualitativ von der „bürgerlichen Gesellschaft“ Adam Smithscher Prägung verschiedenen Staat — höchste Stufe der Sittlichkeit und ferner des gesamten objektiven Geistes, welcher der Sittlichkeit vorhergehend, auch die Gestalten der Moralität und des abtrakten Rechts umfasst — als mehr und anderes denn Regulationsmacht zur Kontrolle machtbezogener Einzelinteressen ansieht (und „Staat“ möglicherweise nur als eine Chiffre gelesen werden muss für etwas anderes als das, was gemeinhin darunter verstanden wurde), ist doch „die Vereinigung als solche“ Leitbild, dem gegenüber ein Moment des Unvereinigbaren im Einigen einen die geregelte Unruhe der Dialektik beunruhigen Störfaktor abgeben muss. Um den unbewegten Beweger der substanziellen Einheit als absolutem Selbstzweck spinnen sich die Überlegungen, welchen den Einzelnen und Besonderen in seiner Partikularität nur dann überhaupt in seiner Freiheit zu seinem Recht gekommen betrachten kann, wenn er seiner Pflicht sich übereignet, tätig sich einpassend, sinnvolles Glied werden zu wollen:

Der Staat ist als die Wirklichkeit des substantiellen Willens, die er in dem zu seiner Allgemeinheit erhobenen besonderen Selbstbewußtsein hat, das an und für sich Vernünftige. Diese substantielle Einheit ist absoluter unbewegter Selbstzweck, in welchem die Freiheit zu ihrem höchsten Recht kommt, so wie dieser Endzweck das höchste Recht gegen die Einzelnen hat, deren höchste Pflicht es ist, Mitglieder des Staats zu sein.

Wenn der Staat mit der bürgerlichen Gesellschaft verwechselt und seine Bestimmung in die Sicherheit und den Schutz des Eigentums und der persönlichen Freiheit gesetzt wird, so ist das Interesse der Einzelnen als solcher der letzte Zweck, zu welchem sie vereinigt sind, und es folgt hieraus ebenso, daß es etwas Beliebiges ist, Mitglied des Staates zu sein. – Er hat aber ein ganz anderes Verhältnis zum Individuum; indem er objektiver Geist ist, so hat das Individuum selbst nur Objektivität, Wahrheit und Sittlichkeit, als es ein Glied desselben ist. Die Vereinigung als solche ist selbst der wahrhafte Inhalt und Zweck, und die Bestimmung der Individuen ist, ein allgemeines Leben zu führen; ihre weitere besondere Befriedigung, Tätigkeit, Weise des Verhaltens hat dies Substantielle und Allgemeingültige zu seinem Ausgangspunkte und Resultate. (Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, §258)

(Jean-Luc Nancy wird sagen, dass in und hinter dieser „Vereinigung als solcher“ die unpolitische Proto-Politizität, die Proto-Sozialität des „Gemeinsamen“, das Mit-Sein, ihr Ungrund, darauf wartet, gedacht zu werden.)

Der Pöbel, dieses Andere vermag eine – durch dieses Scheitern der Schließung für das er, der gleichsam Aussätzige, „steht“ — andere, basalere, grundlosere und also anarchischere Gleichheit freizulegen als die der sittlichen Gesinnung. Vielleicht die banale Basal-Anarchie einer, wie in Abwandlung des Balibarschen Terminus von der Gleichfreiheit/égaliberté: Äquivulgarität.

Vielmehr handelt es sich um eine andere Gleichheit, die in einer eigentümlichen Weise ›vor‹ der Hegel’schen Gleichheit liegt, auch wenn sie erst ›nach‹ – oder ›im Prozess‹ – der Hervorbringung der sittlichen Gleichheit der Gesinnung, als Unterbrechung der Strukturen des Staates und der Gesinnung, sichtbar werden kann. (183)

Einzigartig sei, so Ruda, die Stellung des armen Pöbels für die gesamte Hegel´sche Philosophie, insofern als

sich im gesamten Hege’lschen Denken kein Problem finden lässt, das Hegel erstens in dieser Art und Weise ungelöst lässt, da es ihm zweitens unmöglich ist, mit den Mitteln seiner eigenen Konzeption eine Antwort darauf zu finden. (102)

Was somit als das Ungelöste im lückenlos allem seinen Platz zuweisenden System sich erweist und bleibt, wäre das Aufgelöste und doch, gleichzeitig, ohne alle Bestimmung, irgendwie Vorhandene: die Positivität einer sich gleichermaßen alchemistischer Umwandlung und politisch-polizeilicher Kontrolle verweigernder Negativität als solcher. Das allen Eigentums wie aller bestimmbaren Eigentümlichkeit (und damit des Wesens als Besitz von Attributen) baren, dadurch aber -baren „Stoffes“: der Pöbel als Materie des Sittlichen offenbart „sich“ als das Ent-Stehende und damit -Stellende und -Setzende: Bedingung der (Un)Möglichkeit aller sozialen Synthese.
Durch das Versagen des magischen Krisen-Stabs, Hebe- und Hegehebel, mit konvertierend-konservierenden, das Organische (und wohl-organisierte) beständig wiederherstellenden „Zauberkraft“, synthetisierend-liftender Mechanismus einer vermittelnd-dialektisierenden, spekulativen Aufhebung, wird der Übergang zu Marx und seiner Kategorie des Proletariats – das nicht mit der Arbeiterklasse verwechselt werden darf — die Transkription idealistischer Staatsphilosophie in eine Kritik der politischen Ökonomie zum Desiderat.
Plausibilisiert wird dies von Frank Ruda, der einen Großteil seiner gedanklichen „Figuren“ bei Zizek und Badiou bezieht, zunächst aus Hegels Theorie der gesellschaftlichen Fundamentalpathologie Armut — die sich der Lutherschen Reformation und deren Profanisierung der Arbeits- und Besitzlosigkeit verschuldet sieht — heraus. Obgleich sich zeigen wird, dass es auch reichen Pöbel, Luxus-Pöbel, gibt, emergiert einer seiner beiden Teile, wie zu erwarten, aus der Armut, ohne unmittelbar mit ihr identisch zu sein. Macht sich, in einer Art Autogenese, selbst, sobald eine gesinnungslose Pöbel-Gesinnung, welche in der Empörung über die Illegitimät sämtlicher Institutionen besteht, der Armut sich beifügt; Empörung über die sich Hegel empört. Empörung aber auch übers Unemporhebbare oder nur falsch Elevierte — dies gilt auch für den reichen Luxus-Pöbel, der sein privatives Dasein den an es geknüpften Pflichten zur Entäußerung entzieht — und dadurch nicht im spekulativen Vollsinne Aufhebbare. Ihres Amtes, ihrer Position enthoben und zeitweilig vom Dienst suspendiert wird gleichsam die Aufhebung selbst, welche sodann, arbeitslos, in der Luft hängt. Groll und Grimmen (gleichsam Böhmesche quellende Qual), durch welche der Staat ein Ressentiment gegen sich selbst, wie einen eingeschlossen verwahrten Fremdkörper, eine Zyste, in sich trägt wird spürbar. Wie bekannt verläuft die aufwärtsgerichtete Bewegung — negieren ( tollere) – emporheben ( elevare) – bewahren ( conservare) — nur dann erfolgtreich, wenn eine Einheit zweiter Gegensätze zu Stande kommt:

Aufheben hat in der Sprache den gedoppelten Sinn, daß es so viel als aufbewahren, erhalten bedeutet, und zugleich so viel als aufhören lassen, ein Ende machen. Das Aufbewahren selbst schließt schon das Negative in sich, daß etwas seiner Unmittelbarkeit und damit einem den äußerlichen Einwirkungen offenen Daseyn entnommen wird, um es zu erhalten. So ist das Aufgehobene ein zugleich Aufbewahrtes, das nur seine Unmittelbarkeit verloren hat, aber darum nicht vernichtet ist. Die angegebenen zwei Bestimmungen des Aufhebens können lexikalisch als zwei Bedeutungen dieses Wortes aufgeführt werden. Auffallend müßte es aber dabei seyn, daß eine Sprache dazu gekommen ist, ein und dasselbe Wort für zwei entgegengesetzte Bestimmungen zu gebrauchen. Für das spekulative Denken ist es erfreulich, in der Sprache Wörter zu finden welche eine spekulative Bedeutung an ihnen selbst haben; die deutsche Sprache hat mehrere dergleichen. Der Doppelsinn des lateinischen: tollere (der durch den ciceronianischen Witz tollendum esse Octavium, berühmt geworden) geht nicht so weit, die affirmative Bestimmung geht nur bis zum Emporheben. Etwas ist nur insofern aufgehoben, als es in die Einheit mit seinem Entgegengesetzten getreten ist; in dieser nähern Bestimmung als ein reflektirtes kann es passend Moment genannt werden.

Dem Lutheraner Hegel ( »Wir Lutheraner – ich bin es und will es bleiben – haben nur jenen ursprünglichen Glauben.«) wird nur die in Selbst-Tätigkeit errungene Unabhängigkeit Ausdruck freier Subjektivität und vermittelt die Partikularität des je einzelnen derart durch negierende Entäußerung mit dem Allgemeinen eines korporativ (und organizistisch) organisierten Gemeinwesens.

Denn vor Luther galt »Armut […] für höher als Besitz und von Almosen zu leben für höher als von seinen Händen Arbeit sich redlich zu nähren; jetzt aber wird gewußt, daß nicht Armut als Zweck das Sittlichere ist, sondern von seiner Arbeit leben und dessen, was man vor sich bringt, froh zu werden.« (HVGP 3, S. 49)

Doch um im Staat der bürgerlichen Gesellschaft — verfasst nach dem Prinzip der „Akkumulation der für den Erhalt des eigenen Lebens notwendigen Subsistenzmittel durch eigene Arbeit“ und der Konstitution und Teilnahme eines „gemeinsamen Vermögens“, an dem durch »unmittelbare eigene Grundlage (Kapital)« teilgenommen werden kann — zu Stand zu kommen bedarf es der Zugehörigkeit zu einem seiner Stände und damit der Zuerkennung eines Status, welche die Angemessenheit der Befähigung ans allgemein Erforderte verlangt.

»Der konkrete Staat ist das in seine besonderen Kreise gegliederte Ganze; das Mitglied des Staates ist ein Mitglied eines solchen Standes; nur in dieser seiner objektiven Bestimmung kann es im Staate in Betracht kommen.« (HGPR, S. 477)

der Mensch steht nur, insofern er stehen will; wir fallen zusammen, sowie wir nicht mehr stehen wollen; das Stehen ist daher die Gewohnheit des Willens zum Stehen. (HENZ 3, S. 80)

Etwas ist ist faul im Staate, vielleicht dadurch er selbst im Ganzen? Da der Armut diese Ständigkeit, diese Standförmigkeit nicht zu kommt, stellt ihr Zustand einen verstörend unanständigen, unangemessenen Unstand, einen Zusammenbruch und Bruch mit dem/des Zusammen der sozialen Synthese, dar: der Arme ist Teil des Systems der Bedürfnisse, verfügt über solche und klagt deren Befriedigung ein, versucht die Anerkennung aller Anderen durch die Anerkennung seines Standes (der nicht existiert) mittels der „Darlegung seines Erfolgs in seinem Gewerbe“ zu erlangen, aber muss in diesem Unterfangen unaufhörlich scheitern, sofern ein solcher nicht vorzuweisen ist. Sein ganzer Erfolg liegt im Nicht-Erfolg eines erfolgreichen Nicht-Tuns: er bringt nichts zu Stande als das Nicht-Zustande-Bringen, er bringt es nicht dazu, durch etwas etwas vorzustellen und damit überhaupt: zu sein. Ohne Bestimmung und ohne Begriff ver-west und also verfault er, fällt in sich zusammen wie die vom Körper abgeschlagene Hand; Pöbel wird, insofern er sich noch die Faulheit und Trägheit als Nicht-Gesinnung zu eigen macht, das Endprodukt dieses Fäulnisprozesses genannt werden, das Hegel mit dem Bösen zusammendenkt.

Ohne Mitglied einer berechtigten Korporation zu sein (und nur als berechtigt ist ein Gemeinsames eine Korporation), ist der Einzelne ohne Standesehre, durch seine Isolierung auf die selbstsüchtige Seite des Gewerbes reduziert, seine Subsistenz und Genuß nichts Stehendes.

darunter, daß der Mensch etwas sein müsse, verstehen wir, daß er einem bestimmten Stande angehöre, denn dies etwas will sagen, daß er alsdann etwas Substantielles ist.

Die Armen sind nicht etwas, sondern vielmehr ein Nichts, nichts. Und dennoch „da“.
Ruda arbeitet die Paradoxien heraus, vor die sich die bürgerliche Gesellschaft durch die ihrem eigenen „Prinzip“ widersprechende Nicht-Arbeit (und ein generalisiertes Nicht- und Un-) gestellt sieht:

In der Armut verdichtet sich so der Widerspruch der bürgerlichen Gesellschaft mit sich selbst: Sie soll die Existenzgrundlage ihrer Bürger sichern, kann dies aber nur gewährleisten, indem sie sich an ihrem eigenen Prinzip [der Akkumlation der Subsistenzmittel fürs eigene Leben durch eigene Arbeit] vergeht und folglich die grundsätzlichen Bedingungen ihres Bestehens gefährdet. Sie muss somit entweder von ihrem Versorgungsanspruch oder ihrem Prinzip ablassen. (38)

Als Pöbel stellt sich dann jenes Phänomen heraus, das notwendig zufällig und bloß erst recht entsteht, wenn im Zuge von Lösungsversuchen, Hegel macht dazu sieben scheiternde Vorschläge,

1. die Versorgung der Armen durch die bürgerliche Gesellschaft selbst, 2. die Bettelei, 3. das Notrecht, 4. die Kolonisation, 5. die öffentliche Arbeit, 6. die Korporation und die mit ihr verbundene Ethik (des verantwortungsvollen Konsums), 7. die Polizei [„als Aufsichts- und Einwirkungsorgan betreibt“ sie „Pöbelprävention“] und mit ihr verbunden die Religion (in der Form karitativer Einrichtungen). (37)

des immer unlösbaren Armutsproblems

Daß mit dem gesellschaftlichen Reichtum die Armut, nach Hegels altertümlicher Terminologie der »Pauperismus« anwächst, dafür kennt das freie Kräftespiel der kapitalistischen Gesellschaft, deren liberale ökonomische Theorie Hegel akzeptiert hatte, kein Heilmittel, und noch weniger konnte er eine Steigerung der Produktion sich vorstellen, in der die Behauptung, die Gesellschaft sei nicht reich genug an Gütern, zum Hohn ward. (Adorno, Drei Studien zu Hegel)

die Prämierung der Un-Ständigkeit (im Zuge der Versorgung einer mit steigendem Reichtum immer exzessiver werdender Armut mit Subsistenzgrundlagen, obwohl sie sich diese gegen das Prinzip der bürgerlichen Gesellschaft nicht selbst erwirtschaftet haben) eine gleichsam gesinnungslos verlottere Kaste gebiert, der es an Einsicht in die Notwendigkeit tätigen Erwerbslebens gänzlich gebricht. Die meint, „Anspruch auf Subsistenz geltend machen zu können, auch ohne sich selbst um diese zu besorgen.“ (56)

es drohte das Aufkommen einer arbeitsscheuen, faulen und leichtsinnigen Masse. Kurz, es drohte die Emergenz dessen, was Hegel unter dem Namen ›Pöbel‹ fasst. (38)

Hegel fasst den Pöbel. Weit weniger als er ihn hasst und hetzt: sein eroto-logisch erbeutendes Umfassen immer größerer Einheiten, sein capere, steht im karitativen Zeichen christlicher Liebe. (Natürlich: was wäre fragwürdiger als diese Disambiguation von phila und neikos.) Aber er fasst eben nur fast, mit einem „nicht ganz“ und „beinahe“, durch welches die Logik der Rechtsphilosophie sich von der Logik der Wissenschaft der Logik in entscheidender Weise unterscheidet. Mit anderen Worten: seine Logik sich von sich selbst unterscheidet.Damit könnte er das Ganze als das „Nur-Fast“, das „Nicht-ganz-(da mehr oder weniger als das)-Ganze“ in seinem konstitutiven Außer-Fassung-Sein um eine kleine Nuance anders als üblich fassen. Vielleicht als Teilhabe an einer Teilung.

Für die bürgerliche Gesellschaft gilt, dass sich ihr struktureller Mangel als exzessive Hervorbringung ihres eigenen Gegenteils ausagiert findet. Die interne Vernünftigkeit ihrer eigenen Natur erscheint ihr in Inkorporationen ihrer eigenen Unvernünftigkeit. Die bürgerliche Gesellschaft erscheint unter dieser Perspektive wie ein übergroßes Handlungsgeflecht contra naturam sui generis, oder anders: Die Natur und Bestimmung der bürgerlichen Gesellschaft ist gegen ihre eigene Natur gerichtet, ihre eigenste Natur ist widernatürlich. (63)

Pollolyse: Denkbar und -notwendig erweist sich im Ausgang von Frank Rudas brillanter Studie, nach wie vor und trotz vielfacher entsprechender Versuche gerade aus dem französischen Denken, dringlicher denn je ein wolkigeres, flockiges Volk, nicht mehr des Vollen und der Fülle (vielleicht nicht mal im Sinne des Vollseins als bacchantisch-trunkenem Überfließen), plenitude und pleroma als absoluten Bei-Sich-Seins einer sich geordnet zum organischen Körper naturalisierenden Enti- und Identität. Vielmehr bahnt sich in Lyse der Vorstellung des Volks als Pflock die Losig- und Barkeit einer Vielheit von Vielheiten des radikal Beliebigen — jene hoi polloi, die, bereits bei Heraklit, dem Vieh gleichgestellt werden — und deren permanenter Entwerkung an. Volk, Pulk, Vulg. Multitudo dissoluta. Ungeteilte Souveränität käme, kristallisiert sich heraus, nur der regellosen Teilbarkeit zu — demos kommt, wie dämon, und etwa auch Zeit von der Wurzel *da- , teilen — allein der (Mit)Teilung (partage) einer Differenz, die, als extensive UnMenge, mit sich selbst weder identisch ist, noch in sich aufgeht (die instruktiven Erläuterungen Rudas zur mathematischen Mengentheorie, wie sie in Badious Denken die Arithmetik des Einen aufstören, sind hilfreich.) Da noch bei Marx das idealistische Produktionsparadigma politisch onto-theo-techno-teleologischer Provenienz zwar bis an seine äußersten Grenzen geführt, doch im Kern ungebrochen fortdauert, wäre noch dessen „Aufsprengung“ — und Ruda schreibt dem Pöbel als absoluter, nicht mehr unilinear gerichteter, sondern allseiter Bewegung diese Explosivität zu — denkerisch mitzuvollziehen.

In der Bewegung der Gesellschaft selbst wird also etwas produziert (Armut), was die Bedingung der Möglichkeit absoluter Bewegung eines Nichtkörpers (Pöbel) darstellt. Wenn sich nun an dieser Möglichkeit und in Verbindung mit dem Verfaulungsprozess, der an den Armen statthat, die dem Pöbel eigentümliche Gesinnung bildet, entsteht eine absolute und unendliche, eine explosive Bewegung des Pöbels. Erstaunlicherweise schlägt damit die Aufl ösungsbewegung, das Entbindungsgeschehen, das im/am Pöbel statthat, um in eine multidirektionale, explosive Bewegung. Der Pöbel, so er emergiert, ist daher immer explosiv.190 Die Emergenz des Pöbels als Emergenz der Materie des Sittlichen bedeutet immer Pöbel-Explosion. (149)

(Ob nicht die größte Sprengkraft absoluter Bewegung, Rudas Buch führt es selbst vor, in jener pöbelhaften Dimension ortloser, unartiger Schreib-Sprache läge, die weder Kommunikationsinstrument, noch verständigunggarantierendes Transzendental, sich fortgesetzt und entschieden aller festgesetzten Bestimmungen entbindet, sich stetig aufs Neue, sprengend und streu(n)end — mit-teilend — freisetzt? Und der Teilhabe aller an diesem Teilen. Der junge Hegel ahnte womöglich etwas davon:

Originelle ganz wunderbare Werke in der Bildung gleichen einer Bombe, die in eine faule Stadt fällt, worin alles beim Bierkrug sitzt und höchst weise ist und nicht fühlt, daß ihr plattes Wohlsein eben das Krachen des Donners herbeigeführt.)

In allseitiger Tätigkeit produziert sich „der Mensch“ als Geschlecht und Gattungswesen zwar auf keine andere Weise denn seine Bestimmung allein darin zu sehen, alle Bestimmung ohne Unterlass auf eine Unbestimmtheit (der genres und genders) und Unentschiedenheit, Unschlüssigkeit hin zu öffnen. Doch dabei ent-tut sich nicht minder das Tun, die Tätigkeit, die Arbeit — das onto-ergologische Dispositiv kat‘ exochen — selbst, über die als Arbeitsteilung bekannte Gestalt hinaus. Und mit ihr eine Gestalt spekulativer Dialektik, also Metaphysik, die Negativität „als Arbeit im Dienst der Konstituierung des Sinnes“ (Derrida) bestimmt. Auf diese Dimension der Entwerkung, Werklosigkeit, Inoperativität durch die, nach einem Wort Jean-Luc Nancys, nicht die Arbeit uns, sondern Werktätigkeit (als Werk und Wert) von sich selbst, ihr Korsett sprengend, frei macht, aufmerksam zu machen, für dieses Freimachen von allem Machen, ein Undoing und Ungeschehenmachen als Geschehen (was geschieht ist demgemäß immer der -schied), auf das die Arbeits- und Erwerbslosigkeit einen Wink gibt, hinzuweisen, steht in Rudas Buch womöglich noch aus und bleibt als Frage virulent.

Tillmann Reik

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1. „Spricht das positive Urteil einem Subjekt ein Prädikat zu (X ist tot), so verfährt das negative Urteil über die Aberkennung eines Prädikats und lässt sich logisch in ein positives Urteil umschreiben (X ist nicht tot; X lebt). Das unendliche Urteil hingegen spricht einem Subjekt ein Nicht-Prädikat zu (X ist untot) und erschließt damit einen Bereich, der die zugrunde liegende Unterscheidung unterminiert.“ (137)

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